Februar 2010 Brief aus Mainz
Brief aus Mainz
Carsten Pörksen
Fassungslos macht uns der Mord an einem Lehrer einer Berufsbildenden Schule in Ludwigshafen, verübt durch einen 23 Jahre jungen Mann. Natürlich überlegt man sofort, kann dies auch bei uns passieren oder kann man eine derartige grausame Tat ausschließen. Grundsätzlich wohl nicht, es sei denn, es gibt unübersehbare Anzeichen einer drohenden Straftat. Aber wer stellte das fest, wenn z.B. das Elternhaus versagt und nicht in der Lage ist, bestimmte Verhaltensweisen ihrer Kinder wahrzunehmen oder wenn die „Kultur des Wegschauens“ Platz greift. Ist Gewalt ein neues Ventil, wenn man sich selbst als Versager, die Ursachen dafür aber bei anderen sieht. Ich befürchte, dass nicht zuletzt ungezügelter Konsum von gewaltverherrlichenden Filmen und Videospielen die Gewaltschwelle herabsetzt. Wenn dann noch die Ansammlung von Waffen ein Gefühl von Stärke vermittelt und an die Stelle eines nicht oder nicht mehr ausreichenden Selbstwertgefühls tritt, ist die Gefahr besonders groß. Deshalb halte ich es für besonders wichtig, jungen Menschen nicht nur in den Allgemeinbildenden sondern auch in den Berufsbildenden Schulen zusätzlich durch Fachleute wie z.B. Sozialarbeiter am Beginn ihres Berufslebens deutlich zu machen, dass die Gesellschaft sie auch z.B. im Falle ihres Scheiterns in der Lehre nicht fallen lässt. Entscheidend ist dabei der persönliche Zugang zu denjenigen, die in ihrem Elternhaus, im Freundeskreis, bei Bekannten, in der Gesellschaft allgemein keinen ausreichenden Halt finden. Wir müssen diesen jungen Menschen die Ängste nehmen aber auch dafür sorgen, dass sie Arbeit bekommen und sei es durch staatliche Programme. Deshalb Hände weg von der Kürzung der Arbeitsmarktprogramme und der Zerschlagung der Arbeitsgemeinschaften von Kommunen und Bundesanstalt für Arbeit. Schluss mit dem Gerede über das sogenannte „dekadente“ Verhalten von Hartz IV-Empfängern. Die meisten sind schuldlos in diese Situation geraten, sie haben wir solidarisch zu unterstützen statt sie zu beschimpfen. Nur so wird der Zusammenhalt der Gesellschaft nicht zerstört, gefährdet ist er bereits. Wer den Staat ausnutzt verdient dagegen keine Unterstützung. Null Verständnis habe ich jedoch für diejenigen, die dem Staat Steuern in Milliardenhöhe entziehen. Da kann es kein Pardon geben, deshalb ist der Ankauf der Namenslisten auf CD´s richtig. Die Steuerhinterzieher bedrohen die Handlungsfähigkeit des Staates und beschädigen unsere demokratische Grundordnung.