21.02.2011 SPD-Pressestelle

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Für ein partnerschaftliches und gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und Männern

Der Parteivorstand der SPD hat auf seiner heutigen Sitzung anlässlich des diesjährigen 100. Jahrestages des Internationalen Frauentages folgenden Beschluss gefasst:

Für ein partnerschaftliches und gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und Männern

„Es gibt keine Befreiung der Menschheit ohne die soziale Unabhängigkeit und Gleichstellung der Geschlechter“. August Bebel, Die Frau und der Sozialismus

Für eine lebenswerte Gesellschaft brauchen wir ein gleichberechtigtes und partnerschaftliches Miteinander von Frauen und Männern. So kann sich das Potential aller Menschen am besten entfalten. Gesellschaftlicher Fortschritt und die Gleichstellung der Geschlechter gehören zusammen.

Diese Erkenntnis prägt die Sozialdemokratie seit mehr als 130 Jahren. Sie war der Antrieb für gesellschaftspolitische Erfolge der SPD, wie: gleiches Wahlrecht, Angleichung der Löhne, Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Reform des Ehe- und Familienrechts.

Die SPD kann anlässlich des 100. Internationalen Frauentages (siehe Anlage) stolz auf das Erreichte sein. Mit dem hier vorgestellten Aktionsplan für ein partnerschaftliches und gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und Männern setzen wir diesen Weg fort.

Die Gleichstellung der Geschlechter und eine neue, gleichberechtigte Partnerschaftlichkeit sind Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Frauen und Männer müssen nicht nur die gleichen Startchancen haben, sondern sich tatsächlich partnerschaftlich Familie sowie Beruf und Karriere teilen können.

Die bestausgebildete Frauengeneration aller Zeiten kann sich selbst verwirklichen wie noch nie. Vielfältige neue Lebensentwürfe entstehen. Dennoch leben die alten Rollenmuster fort, verbunden mit ungleicher Bezahlung und geringeren Karrierechancen.

Die meisten Frauen und immer mehr Männer wollen diese Ungerechtigkeit nicht länger hinnehmen. Sie wollen sich gemeinsam um die Erziehung ihrer Kinder und den familiären Alltag kümmern. Sie wollen sich beide in ihrem Beruf verwirklichen, sich qualifizieren und aufsteigen. Sie wollen die Freude und die Belastungen in der Familie teilen.

Dieser Ansatz der Partnerschaftlichkeit bleibt nicht auf den privaten Bereich begrenzt, er kann die Kultur der ganzen Gesellschaft prägen. Er führt zu einem Wandel der Arbeitswelt. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, damit neben dem Beruf Raum ist für Familie, Weiterbildung, gesellschaftliches Engagement und Freizeit. Davon profitieren insbesondere Alleinerziehende.

Echte Partnerschaftlichkeit erfordert neues Denken in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens: Bildung, Betreuung und Pflege, Arbeitsmarkt und Steuergesetzgebung.

Wir brauchen zudem gesetzlich verankerte Quoten, damit sich Frauen auch dort durchsetzen können, wo ihnen eingefahrene Machtgefüge den Weg versperren. Wer dazu nicht bereit ist, wie die Bundeskanzlerin, verfestigt ungerechte und unproduktive Verhältnisse. Wir wollen sie verändern.

Aktionsplan für ein partnerschaftliches und gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und Männern

Mit unserem „Aktionsplan Gleichstellung“ wollen wir eine partnerschaftliche und gleichberechtigte Teilhabe in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens erreichen. Dazu gehören:

• die Aufwertung der so genannten Frauenberufe
• gute Arbeit statt prekärer Beschäftigung
• flächendeckende gesetzliche Mindestlöhne
• ein Entgeltgleichheitsgesetz
• Abbau der Diskriminierung durch Teilzeitarbeit
• die partnerschaftliche Teilung von Beruf und Karriere einerseits und familiärer Sorge anderseits, durch Infrastruktur und sozial abgesicherte Reduzierung der regulären Arbeitszeit
• gesetzliche Mindestquoten von 40 Prozent für Vorstände und Aufsichtsräte
• ein geschlechtergerechtes Steuersystem
• die paritätische Besetzung von öffentlich-rechtlichen Gremien und Gremien, in denen die öffentliche Hand die Mehrheit entsendet
• ein neuer Frauenförderplan für die SPD

Handeln bei Bildung und Berufswahl

Frauen haben bessere und höhere Bildungsabschlüsse als Männer. Die Wahl ihrer Studienfächer und ihrer Berufe ist dennoch sehr eingeschränkt. Bei der dualen Ausbildung beschränken sich Frauen auf wenige Berufe, die zudem schlecht bezahlt sind und kaum Aufstiegsmöglichkeiten bieten. In naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen sind sie immer noch in der Minderheit. Selbst in den Studienfächern, die häufig von Frauen belegt werden, promovieren und habilitieren Frauen seltener als Männer.

Wir wollen für eine Veränderung dieses geschlechtsspezifischen Verhaltens werben. Das partnerschaftliche und gleichberechtigte Miteinander muss von Anfang an Leitbild der Erziehung sein. Wir wollen „typische Frauenberufe“ aufwerten, um sie für beide Geschlechter attraktiv zu machen. Es ist nicht einzusehen, dass die Reparatur von Waschmaschinen besser bezahlt wird als die Erziehung unserer Kinder.


Handeln am Arbeitsplatz und im Betrieb

Ein partnerschaftliches Miteinander von Frauen und Männern am Arbeitsplatz setzt gleiche Bezahlung für gleiche Leistung voraus. Es erfordert flexible Arbeitszeiten, die den unterschiedlichen Lebensphasen gerecht werden. Frauen müssen die gleiche Chance haben wie Männer, Führungspositionen auszufüllen. Zudem müssen Beruf und Karriere für Frauen und Männer mit einem erfüllten Familienleben vereinbar sein.

Frauen verdienen 23 Prozent weniger als Männer. Bei gleichwertiger Tätigkeit sind es 13 Prozent. Das ist ein Skandal.

Wir wollen daher flächendeckende gesetzliche Mindestlöhne einführen. Das Prinzip gleicher Lohn für gleiche Arbeit wollen wir durchsetzen und typische Frauenberufe aufwerten. Dazu werden wir im Deutschen Bundestag ein Gesetz für Entgeltgleichheit vorlegen.

Auch die Gestaltung der Arbeitszeit wird für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer immer wichtiger. Die Kindererziehung sowie die Pflege Angehöriger einerseits und Beruf sowie Karriere andererseits müssen sich miteinander vereinbaren lassen. Wenn die Beschäftigten ständig verfügbar sein müssen und überlang arbeiten, ist das auf Dauer kontraproduktiv. Nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten leidet, sondern auch die Produktivität der Unternehmen.

Deshalb brauchen wir neben einer besseren Betreuungs-, Bildungs- und Pflegeinfrastruktur eine Arbeitszeitpolitik und vor allem Arbeitsorganisation, die unterschiedlichen Lebensphasen gerecht wird. Wir wollen mit Lohnersatzleistungen Zeiten von Kindererziehung und Pflege finanziell abfedern. Bei beruflicher und außerberuflicher Weiterqualifizierung wollen wir ebenfalls Lohnersatzleistungen im Rahmen einer Arbeitsversicherung einführen.

In kaum einem anderen europäischen Land gibt es so wenige Frauen in Führungspositionen. Die freiwillige Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Wirtschaftsverbänden (2001) hat daran wie erwartet nichts gebessert. Diese gigantische Verschleuderung von Bildung und sozialer Kompetenz darf sich eine wettbewerbsorientierte Volkswirtschaft einfach nicht leisten.
Von alleine ändert sich nichts. Die männlich geprägte Unternehmenskultur, wozu auch die abendliche Präsenz gehört, schließt nach wie vor Arbeitnehmerinnen, insbesondere Mütter, von Karrieren aus.

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